CSRD & Compliance12 Min. Lesezeit

CSRD & Primärdaten: Warum geschätzte Werte nicht mehr reichen

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Armin Maier
CEO, e-findo GmbH · 03. März 2026

Was die CSRD von Ihnen verlangt

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet Unternehmen ab 2025 schrittweise zu umfassenden Nachhaltigkeitsberichten. Anders als beim bisherigen CSR-Reporting reichen pauschale Angaben nicht mehr aus. Der Gesetzgeber fordert explizit Primärdaten — also echte, gemessene Werte statt Hochrechnungen oder Branchendurchschnitte.

Im Bereich Entsorgung bedeutet das: Sie müssen nachweisen, welche Mengen welcher Materialien an welchem Standort angefallen sind, wie sie transportiert und verwertet wurden. Und das alles revisionssicher dokumentiert.

Die CSRD ersetzt die bisherige Non-Financial Reporting Directive (NFRD). Mit dem 2025 beschlossenen EU-Omnibus-Vereinfachungspaket wurde der Anwendungsbereich angepasst: Die Berichtspflicht gilt nun für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden (zuvor 250), die zusätzlich mindestens ein finanzielles Kriterium erfüllen. Rund 10.000 Unternehmen in der EU sind direkt betroffen.

Wer ist betroffen — direkt und indirekt?

Direkt berichtspflichtig sind Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und über 50 Mio. EUR Umsatz oder über 25 Mio. EUR Bilanzsumme. Unternehmen, die bereits unter die NFRD fielen (große kapitalmarktorientierte Unternehmen mit 500+ Mitarbeitenden), berichten seit 2025.

Indirekt betroffen ist der Mittelstand trotzdem: Großkunden und OEMs fordern von ihren Zulieferern zunehmend Nachhaltigkeitsdaten für die eigene Scope-3-Berichterstattung. Wer keine belastbaren Daten liefern kann, riskiert den Lieferantenstatus. Darüber hinaus können Unternehmen freiwillig nach einem vereinfachten EU-Standard berichten — etwa um sich bei Ausschreibungen oder Finanzierungen besser zu positionieren.

Unabhängig von der CSRD-Pflicht gilt: Wer seine Entsorgungsdaten digital und audit-fähig erfasst, profitiert von Kostentransparenz, Rechnungskontrolle und besseren Verhandlungspositionen gegenüber Entsorgern.

ESRS E5: Der Standard für Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft

Die CSRD-Berichte folgen den European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Für die Entsorgungswirtschaft ist vor allem ESRS E5 — Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft relevant. Dieser Standard verlangt unter anderem:

  • E5-4: Angaben zu den Ressourcenzuflüssen und -abflüssen, einschließlich der Abfallmengen nach Kategorie und Behandlungsart
  • E5-5: Angaben zur Kreislaufwirtschaft, insbesondere Recyclingquoten und Verwertungsraten
  • E5-6: Angaben zu erwarteten finanziellen Auswirkungen durch Ressourcen- und Kreislaufwirtschaftsrisiken

Konkret bedeutet das: Sie müssen nicht nur dokumentieren, wie viel Abfall anfällt, sondern auch den gesamten Weg nachvollziehbar machen — von der Entstehung über den Transport bis zur finalen Verwertung. Und diese Daten müssen belastbar sein, nicht geschätzt.

Das Problem mit Schätzwerten

Viele Unternehmen arbeiten heute noch mit geschätzten Entsorgungsdaten. Typische Praxis: Die Mengen werden aus Gutschriften der Entsorger übernommen, ohne Gegenprüfung. Transportwege werden pauschal angenommen. CO2-Emissionen basieren auf Durchschnittsfaktoren.

Das mag bisher funktioniert haben — doch unter der CSRD werden diese Daten von Wirtschaftsprüfern geprüft. Zunächst mit begrenzter Sicherheit (limited assurance), ab 2028 voraussichtlich mit hinreichender Sicherheit (reasonable assurance) — dem gleichen Prüfungsstandard wie bei Finanzdaten.

Wer keine belastbare Datenbasis vorweisen kann, riskiert nicht nur ein eingeschränktes Testat, sondern auch Reputationsschäden und regulatorische Konsequenzen.

Schätzwerte vs. Primärdaten im Vergleich

KriteriumSchätzwertePrimärdaten
DatenquelleEntsorger-Gutschriften, BranchendurchschnitteEigene Wiegedaten, Sensoren, digitale Belege
Genauigkeit+/- 20-40% Abweichung typisch+/- 2-5% Messtoleranz
Audit-FähigkeitEingeschränkt, manuelle Nachweise nötigVollständig, digitale Belegkette
CO2-BerechnungPauschale EmissionsfaktorenReale Transportwege und Verwertungsarten
PrüfungsstandardReicht für limited assurance oft nichtErfüllt limited und reasonable assurance
Zeitaufwand Reporting40-80 Stunden pro Berichtszeitraum4-8 Stunden (automatisiert)
Risiko Greenwashing-VorwurfHochGering

Konsequenzen bei mangelhafter Berichterstattung

Die CSRD ist kein zahnloser Tiger. Die EU-Mitgliedstaaten sind verpflichtet, wirksame Sanktionen festzulegen. In Deutschland drohen bei Verstößen:

  • Bußgelder bis zu 10 Mio. EUR oder 5% des Jahresumsatzes (je nachdem, welcher Betrag höher ist)
  • Öffentliche Bekanntmachung des Verstoßes (Naming and Shaming)
  • Eingeschränktes Testat des Wirtschaftsprüfers, was das Vertrauen von Investoren und Geschäftspartnern beeinträchtigt
  • Haftungsrisiken für Geschäftsführer und Vorstände bei vorsätzlich falschen Angaben

Darüber hinaus achten immer mehr Großkunden und OEMs darauf, dass ihre Lieferanten CSRD-konform berichten. Ein mangelhafter Nachhaltigkeitsbericht kann Sie also auch indirekt Aufträge kosten.

Von der Schätzung zum Primärdatensatz

Der Weg zu belastbaren Primärdaten beginnt bei der Erfassung vor Ort. Jede Abholung wird mit Wiegedaten, Materialklasse und Transportweg dokumentiert. Automatische Sensorik erfasst Füllstände und Bewegungen. Entsorger-Gutschriften werden gegen die eigenen Messdaten abgeglichen.

Das Ergebnis: Eine lückenlose, digitale Belegkette, die vom Entstehungsort des Abfalls bis zur Verwertung reicht. Genau diese Kette fordert die CSRD — und genau hier setzt das ICON-System von e-findo an.

Schritt 1: Digitale Erfassung am Entstehungsort

Statt Mengen nachträglich aus Entsorger-Gutschriften abzuleiten, werden Abfälle direkt bei der Entstehung erfasst. Geeichte Wiegesysteme an Containern und Pressen liefern exakte Gewichtsdaten. IoT-Sensoren melden Füllstände in Echtzeit. Jeder Vorgang wird mit Zeitstempel, Standort und Materialklasse gespeichert.

Schritt 2: Automatischer Abgleich mit Entsorgerdaten

Das System gleicht die eigenen Messdaten automatisch mit den Gutschriften und Wiegescheinen der Entsorger ab. Abweichungen werden sofort sichtbar — nicht erst Monate später bei der manuellen Prüfung. Erfahrungsgemäß zeigen sich bei 10-20% der Gutschriften relevante Abweichungen.

Schritt 3: Audit-fähiger Report auf Knopfdruck

Alle Daten fließen in standardisierte Reports, die den ESRS-Anforderungen entsprechen. Der Wirtschaftsprüfer kann direkt im System prüfen, statt Ordner voller Papierbelege durchzuarbeiten. Das spart beiden Seiten Zeit und erhöht die Prüfungsqualität.

Praxisbeispiel: Automotive-Zulieferer mit drei Standorten

Ein Automotive-Zulieferer mit drei Standorten in Deutschland und rund 1.200 Mitarbeitenden nutzt das ICON-System seit 2024. Das Unternehmen ist CSRD-berichtspflichtig.

Vorher basierten die Entsorgungsdaten im Nachhaltigkeitsbericht auf Gutschriften der Entsorger und manuellen Schätzungen. Die Erstellung des Entsorgungsteils im Nachhaltigkeitsbericht dauerte rund 60 Arbeitsstunden pro Jahr — verteilt auf Umweltbeauftragte, Controller und externe Berater.

Nach der Umstellung auf digitale Erfassung zeigte sich:

  • Bei rund 15% der Gutschriften gab es Abweichungen bei Gewicht oder Materialklasse — in Summe eine Differenz von 47 Tonnen pro Jahr
  • Die CO2-Berechnung auf Basis realer Transportdaten ergab 23% niedrigere Emissionen als die bisherigen Pauschalannahmen — ein Vorteil, den das Unternehmen vorher nicht nachweisen konnte
  • Der Wirtschaftsprüfer konnte die Daten erstmals direkt aus dem System heraus prüfen und bestätigte die Audit-Fähigkeit
  • Der Zeitaufwand für den Entsorgungsteil des Nachhaltigkeitsberichts sank auf unter 8 Stunden

Die Investition in die Digitalisierung hatte sich durch die aufgedeckten Gutschrift-Abweichungen bereits im ersten Jahr refinanziert. In einer kostenlosen Erstberatung können Sie Ihr eigenes Einsparpotenzial vorab besprechen.

Die Rolle digitaler Systeme in der CSRD-Compliance

Manuelle Prozesse stoßen bei den Anforderungen der CSRD an ihre Grenzen. Wer Primärdaten über mehrere Standorte, Materialströme und Entsorger hinweg konsistent erfassen, abgleichen und berichten will, braucht ein digitales System als Rückgrat.

Ein spezialisiertes Entsorgungsmanagement-System wie ICON bietet dabei entscheidende Vorteile gegenüber Eigenentwicklungen oder Excel-basierten Lösungen:

  • Branchenspezifische Datenmodelle — Materialklassen, Verwertungsarten und Emissionsfaktoren sind bereits hinterlegt
  • Automatische Datenvalidierung — Plausibilitätsprüfungen erkennen Fehler sofort
  • Revisionssichere Speicherung — Alle Änderungen sind nachvollziehbar protokolliert
  • Standard-Schnittstellen — SAP, Dynamics und andere ERP-Systeme werden nativ angebunden
  • ESRS-konforme Reports — Berichtsvorlagen entsprechen den aktuellen Standards

Einen detaillierten Überblick über alle Systemfunktionen finden Sie auf unserer Produkte-Seite.

Typische Fehler bei der CSRD-Vorbereitung im Entsorgungsbereich

Aus unserer Beratungspraxis sehen wir immer wieder dieselben Stolpersteine, die Unternehmen bei der CSRD-Vorbereitung im Entsorgungsbereich bremsen:

Fehler 1: Zu späte Dateninventur. Viele Unternehmen beginnen erst mit der Datenerhebung, wenn der erste Berichtszeitraum bereits läuft. Das Problem: Ein Wirtschaftsprüfer erwartet eine konsistente Datenbasis über den gesamten Berichtszeitraum. Wer erst im dritten Quartal anfängt, Primärdaten zu erheben, hat für die ersten sechs Monate nur Schätzwerte — und genau das wird im Testat vermerkt.

Fehler 2: Entsorgerdaten ungeprüft übernehmen. Die Gutschriften Ihrer Entsorger sind keine Primärdaten im Sinne der ESRS. Sie sind Sekundärdaten einer dritten Partei. Primärdaten entstehen durch Ihre eigene Messung — Wiegedaten, Sensorwerte, eigene Materialanalysen. Erst wenn Sie die Entsorgerdaten mit eigenen Messungen abgleichen können, entsteht die von der CSRD geforderte Datenqualität.

Fehler 3: CO2-Emissionen nur über Pauschalen berechnen. Viele Unternehmen nutzen generische Emissionsfaktoren (z.B. kg CO2 pro Tonne Abfall) aus Datenbanken wie GEMIS oder ecoinvent. Für einen ersten Nachhaltigkeitsbericht mag das akzeptabel sein — aber die CSRD fordert zunehmend standortspezifische Berechnungen. Wer die tatsächlichen Transportentfernungen, Verwertungswege und Energieverbräuche seiner Entsorgungskette kennt, weist in der Regel 15-25 % niedrigere Emissionen nach als bei Pauschalannahmen. Das ist kein Greenwashing, sondern bessere Datenlage.

Fehler 4: Entsorgung als isoliertes Thema behandeln. Die CSRD betrachtet Abfallmanagement nicht isoliert, sondern im Kontext der gesamten Wertschöpfungskette. Materialeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Lieferkettenverantwortung greifen ineinander. Unternehmen, die ihr Entsorgungsmanagement nur als Compliance-Pflicht abhaken, verpassen die Chance, es als strategischen Hebel für Kostensenkung und Wettbewerbsvorteil zu nutzen.

Was Sie jetzt tun sollten

Warten Sie nicht, bis der erste CSRD-Bericht fällig ist. Der Aufbau einer belastbaren Datenbasis braucht Vorlauf — typischerweise 6 bis 12 Monate, bis alle Standorte angebunden und die Datenqualität gesichert ist.

Drei konkrete Schritte für den Einstieg:

  1. 1.Bestandsaufnahme: Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen direkt CSRD-berichtspflichtig ist oder indirekt über Lieferketten-Anforderungen betroffen ist, und welche ESRS-Standards relevant sind.
  2. 2.Daten-Audit: Analysieren Sie Ihre aktuelle Datenbasis. Wo arbeiten Sie mit Schätzwerten? Wo fehlen Messdaten? Wo gibt es Brüche in der Dokumentationskette?
  3. 3.System-Evaluation: Bewerten Sie, ob Ihre bestehenden Systeme die Anforderungen an Primärdaten, Revisionssicherheit und automatisiertes Reporting erfüllen.

e-findo unterstützt Sie dabei — von der Bestandsaufnahme über die Implementierung bis zum ersten audit-fähigen Report. In einem kostenlosen Erstgespräch zeigen wir Ihnen, wo Sie stehen und was die nächsten Schritte sind. Sprechen Sie uns an unter e-findo.de — damit Ihr nächster Nachhaltigkeitsbericht auf Daten basiert, nicht auf Hoffnung.

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Weiterführende Informationen: - Primärdaten-Erfassung: Echte Messwerte statt Schätzungen — So erfassen Sie CSRD-Primärdaten automatisch per IoT - Materialfluss-Tracking: Vom Container bis zum Schmelzwerk — Lückenlose Nachverfolgung Ihrer Abfall- und Wertstoffströme

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In einem kostenlosen Erstgespräch zeigen wir Ihnen, wie e-findo Ihre spezifischen Herausforderungen löst.